DIY-Produktion Teil 2: Setup, Technik-Grundlagen und Signalfluss

Selbst aufnehmen, professionell mischen und mastern lassen – Dein Guide zur erfolgreichen DIY-Produktion

Noch nie war es so einfach und erschwinglich, Musik aufzunehmen und zu veröffentlichen, wie heute. Gutes Aufnahme-Equipment ist bezahlbar und viele Bands und Künstler produzieren ihre eigenen Releases. Und auch wenn ein gut klingender Aufnahmeraum, gepaart mit dem Gehör und der Erfahrung eines guten Engineers wohl auch so schnell nicht ersetzbar sein wird – wenn das Budget knapp ist, kann man definitiv zu erstaunlich beeindruckenden Ergebnissen kommen, sofern man bei der Proberaum-Aufnahme ein paar Dinge beachtet und die DIY-Produktion anschließend in die Hände eines professionellen Mixing- und Mastering-Engineers gibt.

Nachdem ihr euch das passende Equipment zusammengestellt habt, geht es in diesem zweiten Teil darum, wie ihr alles optimal einrichtet, welches Signal wohin muss und worauf ihr achten müsst, damit alles technisch einwandfrei auf der Festplatte landet.

Am Ende findet ihr noch eine Art Glossar mit Erläuterungen zu den verschiedenen, technischen Begriffen, auf die ihr unterwegs stoßen werdet.

Hier geht’s zu Teil 1 und Teil 3 dieser Serie!

Achtung: Dieser Guide erhebt in keinster Weise den Anspruch, technisch und wissenschaftlich 100% korrekt formuliert zu sein! Er ist mit dem Ziel erstellt, möglichst einfach und verständlich das Hintergrundwissen zu vermitteln, das notwendig ist, um zu Hause, oder im Proberaum gelungene DIY-Produktionen durchführen zu können. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn es dafür notwendig ist, Sachverhalte vereinfacht zu erklären, habe ich das getan und dabei in Kauf genommen, nicht immer 100% akkurat in meinen Ausführungen zu sein. Das ist für eure Ergebnisse völlig egal und wer es ganz genau wissen möchte, kann sich die entsprechenden Wälzer jederzeit gerne zu Gemüte führen. Der Rest liest einfach diese Beiträge und fängt an aufzunehmen! 🙂

Aufbau, Setup, Installation:

Installiert die Aufnahme-Software eurer Wahl auf eurem Rechner. Verbindet euer Interface mit dem Computer und installiert ggf. die dafür notwendigen Treiber, sowie die zugehörige Steuerungssoftware. Die meisten Audio-Interfaces kommen mit einer Art “Digitalmischpult” in Software-Form, von dem aus ihr das Routing (Signalfluss), die Abhör- und Aufnahmepegel und einige andere Parameter eures Interfaces steuern und einstellen könnt.

Achtung, diese Software ist NICHT das Aufnahmeprogramm, sondern wird zusätzlich installiert. Eine DAW (Digital Audio Workstation), wie Cubase, Logic, Pro Tools, Reaper, etc. wird auf jeden Fall trotzdem benötigt!

Jetzt startet ihr euer Aufnahmeprogramm, erstellt ein neues Projekt und öffnet die globalen Einstellungen. Abhängig davon, welches Programm ihr benutzt, sieht dieses Menü natürlich immer etwas anders aus. Die nun beschriebenen Schritte könnt ihr aber in der Regel in jeder Software nachvollziehen und durchführen:

  1. Sucht den Menüpunkt, unter dem ihr das Audio-Interface, bzw. das Audio-Ein- & Ausgabegerät und dessen Treiber auswählen könnt. Wählt hier euer Interface anstelle der im Computer integrierten Ein- und Ausgänge aus.
  2. Sucht in den Projekteinstellungen nach dem Menüpunkt, der euch die Samplerate und Bittiefe einstellen lässt und wählt bei der Samplerate mindestens 44,1 kHz (idealerweise 48 kHz, vor allem wenn ihr plant, später Videos zu euren Songs zu veröffentlichen) und bei der Bittiefe 24 Bit.
  3. Jetzt könnt ihr allen virtuellen Ein- und Ausgängen eurer DAW die physischen Ein- und Ausgänge eures Interfaces zuweisen und so bestimmen, welches Signal auf welcher Spur aufgenommen wird und was ihr über welchen Ausgang am Interface abhört.

Ist die Software installiert und die Grundkonfiguration eingerichtet, schließt ihr an euer Interface nun die Abhörmonitore (Lautsprecher) an. Ihr nehmt dazu die Ausgänge, die ihr in der DAW und der Steuersoftware eures Interfaces für die Stereo-Summe (“Stereo Out”, “Master Out” oder “Main Out”, etc.) ausgewählt habt. Typischerweise sind das die Ausgänge “1 & 2” oder “L & R”. An den Kopfhörerausgang eures Interfaces schließt ihr den/die Kopfhörer für die Musiker an. Wenn ihr mehr Kopfhörer verwendet, als euer Interface Kopfhörer-Ausgänge hat, dann braucht ihr einen zusätzlichen Kopfhörerverstärker mit mehreren, individuell regelbaren Ausgängen, den ihr zwischen Interface und Kopfhörer hängt. Diese Erweiterung ist nicht teuer und lohnt sich, sofern du nicht ausschließlich allein arbeitest, früher oder später definitiv.

Im Prinzip seid ihr jetzt ready to go! Die genaue Konfiguration innerhalb eurer Software müsst ihr natürlich selber meistern (es gibt neben den Handbüchern zu jedem Programm massenhaft Tutorials im Netz). Das in diesem Guide für jede DAW zu erläutern würde definitiv den Rahmen sprengen. 😉

Kommen wir zum Signalfluss:

Egal, mit welchem Equipment ihr genau arbeitet, solltet ihr verstehen, mit welchen verschiedenen Signalen ihr es eigentlich zu tun habt, worin die Unterschiede bestehen und wie man diese verschiedenen Signale am besten behandelt und verarbeitet. Deshalb verfolgen wir hier einfach mal die ganze Kette, vom Klangerzeuger in den Rechner und über die Lautsprecher wieder zurück in den Raum. Die einzelnen Begriffe, die hier fallen, werden ganz unten im letzten Abschnitt nochmal einzeln erklärt, damit nichts unklar bleibt.

Am Anfang steht das Instrument, oder die Stimme, die es aufzunehmen gilt. Haben wir es mit akustischen Instrumenten, Stimmen, oder sonstigen Klangereignissen zu tun, die wir mit einem Mikrofon aufnehmen, sieht das Ganze wie folgt aus:

Schallwellen -> Mikrofon (Wandelt Schallwellen in eine sehr geringe Spannung, also ein sehr schwaches elektrisches Signal um. Die verschiedenen Mikrofontypen werden unten im Glossar kurz erklärt.)
-> XLR-Kabel
-> Mikrofon-Preamp (das ist der Mikrofoneingang an eurem Interface. Ein kleiner Vorverstärker macht hier aus dem schwachen Mikrofonsignal ein stärkeres Line-Signal, das dann weiterverarbeitet werden kann)
-> Analog-/Digital-Wandler (wandelt das analoge Line-Signal in ein digitales Signal um)
-> Schnittstelle (das eigentliche “Interface” im wörtlichen Sinn), also die USB-, Thunderbolt-, etc. -Verbindung zum Rechner
-> Aufnahmesoftware in eurem Computer
-> Schnittstelle zwischen Rechner und Interface
-> Digital-/Analog-Wandler (wandelt das digitale Signal zurück in ein analoges)
-> Analoger Ausgang am Interface
-> Aktiv-Lautsprecher (oder Endstufe & Passiv-Lautsprecher, oder Kopfhörerverstärker & Kopfhörer)

Ihr seht, ein typisches All-In-One Interface wird zwar schlicht “Interface” genannt, besteht aber eigentlich aus viel mehr, als nur der reinen “Schnittstelle” zum Computer. Es besteht aus mehreren verschiedenen, einzelnen Komponenten: Den Preamps (Vorverstärkern), den AD-/DA-Wandlern (analog->digital und umgekehrt), der Schnittstelle und den analogen Ausgängen für Kopfhörer und Lautsprecher.

Wenn also z.B. in einem Internetforum die oft gestellten Fragen, “brauche ich einen Preamp”, oder “brauche ich einen Wandler” auftauchen, dann würde meine Antwort jeweils lauten “ja, definitiv, aber nimm doch erstmal die, die in dein Interface integriert sind”. 🙂 Viele Leute glauben, Mikrofon-Preamps, oder Wandler wären grundsätzlich besondere, externe Geräte und wissen nicht, dass sie bereits Preamps und Wandler in ihren Interfaces haben. Sonst könnten sie ein Mikrofonsignal überhaupt nicht verstärken und an den Rechner weitergeben. Und diese integrierten Komponenten sind heutzutage meistens nicht mal schlecht! Im Gegenteil, sehr gut sind sie mittlerweile in den meisten Interfaces und sie machen in der ganzen Kette nur einen winzigen Bruchteil des Klangs aus. Externe, edlere Preamps und Wandler machen zwar dem Profi Spaß, sind für Homerecording-Zwecke aber völlig überbewertet und meist nicht nötig. Da gibt es viele andere Dinge, in die man vorher investieren sollte.

Übrigens: Falls ihr ein Mischpult als Interface verwendet, ist die Funktionsweise im Prinzip genau die gleiche! Die Mikrofoneingänge sind die Preamps, danach folgen je nach Pult noch EQ, Kompressor, usw. und dann geht es an die Wandler und über die integrierte Schnittstelle zum Rechner. Sieht anders aus, funktioniert aber genauso! Die Frage kann also niemals lauten “Interface oder Mischpult”, sondern ein solches Mischpult mit digitaler Schnittstelle IST dann euer Interface. Nur mit anderen Features vor der eigentlichen Schnittstelle.

Und schließlich gibt es noch die Möglichkeit, all diese Komponenten (Preamps, Wandler, Schnittstellen) einzeln zu kaufen und miteinander in einer maßgeschneiderten Konfiguration zu verbinden. Das ist die Variante, die meist in professionellen Studios anzutreffen ist, schießt aber für die hier beschriebene Anwendung deutlich übers Ziel hinaus.

Nehmt ihr ein Instrument direkt, also ohne Mikrofon auf, sieht die ganze Kette so aus:

Gitarre/Bass/etc. -> Kabel
-> Instrumenten-Eingang (Klinke) an eurem Interface (oft “Hi-Z Input” genannt). Hier wird aus dem schwachen Instrumenten-Signal wiederum ein stärkeres Line-Signal, gemacht das dann weiterverarbeitet werden kann)
-> Analog-/Digital-Wandler (wandelt das analoge Line-Signal in ein digitales Signal um)
-> Schnittstelle (das eigentliche “Interface” im wörtlichen Sinn), also die USB-, Thunderbolt-, etc. -Verbindung zum Rechner
-> Aufnahmesoftware in eurem Computer
-> Schnittstelle zwischen Rechner und Interface
-> Digital-/Analog-Wandler (wandelt das digitale Signal zurück in ein analoges)
-> Analoger Ausgang am Interface
-> Aktiv-Lautsprecher (oder Endstufe & Passiv-Lautsprecher, oder Kopfhörerverstärker & Kopfhörer)

Alternativ kann statt des “Hi-Z Inputs” am Interface eine DI-Box verwendet werden. Das Instrumenten-Signal ist nämlich nicht nur schwach im Pegel, sondern im Vergleich zum Mikrofonsignal hochohmig (höherer Widerstand) und unsymmetrisch. Wenn ihr mit eurem Instrument in eine DI-Box geht, passt diese den Widerstand an und symmetriert das Signal, sodass ihr danach ganz normal per XLR-Kabel in euren Mikrofon-Preamp gehen könnt. Als netten Nebeneffekt könnt ihr eine DI-Box dazu verwenden, ein Gitarrensignal zu “splitten”. D.h. ihr führt mit dem Klinken-Ausgang der DI-Box das unveränderte Instrumenten-Signal in euren Amp, den ihr dann mikrofonieren und aufnehmen könnt und nehmt auf einem anderen Kanal gleichzeitig das trockene und angepasste DI-Signal auf, das ihr dann später re-ampen oder rein digital mit Amp-Simulationen bearbeiten könnt.

Achtung! Ein Instrumenten-Eingang ist KEIN Line-Eingang und umgekehrt! Line-Eingänge sind in zwar ebenfalls oft als Klinkenbuchsen vorhanden, sind aber nicht für hochohmige, schwache Instrumenten-Signale gedacht, sondern für bereits vor-verstärkte Line-Signale, also z.B. die Ausgänge eines Mischpults, CD-Players, Effektgerätes, oder eben eines externen Mikrofon-Preamps. Schließt man ein Instrument an einen Line-Eingang an, wird das Signal entweder zu schwach, oder klanglich verfälscht, oder beides sein. Schließt man ein Line-Signal an einen Instrumenten- oder Mikrofon-Preamp an, kann der viel zu hohe Pegel zu unschönen Verzerrungen und im schlimmsten Fall zu Beschädigungen des Equipments führen!

Fazit: Es gibt also drei wesentliche Arten von Signalen, mit denen wir es zu tun haben. Mikrofon-, Instrumenten- und Line-Signale. Alle haben ihre technischen Eigenheiten und sie sind alle unterschiedlich zu behandeln.

Routing/Signalfluss innerhalb der Software:

Sobald das Signal gewandelt und in digitaler Form in eurem Rechner (bzw. kurz davor) gelandet ist, müsst ihr sicherstellen, dass ihr und die Musiker es störungsfrei hören und beurteilen könnt. Und zwar einmal während des Spielens und einmal danach, beim Anhören der fertigen Aufnahme. Dazu habt ihr in der Regel zwei Möglichkeiten:

  1. Ihr könnt eure Stimme oder euer Instrument während des Spielens per “Direct Monitoring”, bzw. “Hardware Monitoring” abhören. Das bedeutet, ihr schickt das Signal zur Aufnahme in den Rechner und zusätzlich direkt aus dem Interface an eure Lautsprecher oder Kopfhörer, bevor es überhaupt in den Rechner wandert. Abgehört wird in dem Fall nur das Direktsignal aus dem Interface. Der Vorteil ist, dass ihr so alles ohne jegliche Latenz (Verzögerung) hören könnt, selbst wenn der Rechner schon ordentlich arbeiten muss, weil ihr z.B. bereits etliche Effekte im Projekt habt. Der Nachteil ist, dass ihr eben nur das hört, was noch vor dem Rechner passiert und nicht das, was tatsächlich aufgenommen wird. In der Regel sollte das zwar dasselbe sein, aber garantiert ist das nicht. Wenn ihr auf der aufzunehmenden Spur Amp-Simulationen, Effekte und ähnliches in euer DAW einbinden wollt, könnt ihr das so außerdem ebenfalls nicht hören. Ihr hört nur den “trockenen” Sound aus dem Interface (außer euer Interface bietet euch mitgelieferte Effekte für den Monitorweg oder zur Aufnahme an). Das Verhältnis zwischen Playback aus dem Rechner und dem Direktsignal, das ihr gerade aufnehmt, sowie welches Signal dann aus welchem Ausgang kommt, bestimmt ihr in diesem Fall mit der mitgelieferten Steuersoftware eures Interfaces, oder an manchen Interfaces zusätzlich mit einem “Wet/Dry” Regler am Kopfhörerausgang, der euch das Verhältnis zwischen Direktsignal und Playback einstellen lässt.
  2. Ihr hört das Signal ab, nachdem es euren Rechner und die Aufnahmesoftware durchlaufen hat. Das bedeutet, ihr schaltet das Direct Monitoring des Interfaces aus und aktiviert das Monitoring in eurer DAW. Jetzt regelt ihr den gesamten Signalfluss in eurer Aufnahmesoftware. Die verschiedenen Abhörwege, die Pegel, usw. – wie an einem klassischen Mischpult, an dem ihr alle Signale zu verschiedenen Ausgängen schickt. Die Vorteile sind, dass ihr jetzt alles so hört, wie ihr es tatsächlich aufgenommen habt, dass ihr DAW-interne Effekte mithören könnt und, dass ihr alles an einem Ort und in einer Software regelt. Der Nachteil ist, dass auf dem Weg durch euren Rechner eine Verzögerung (Latenz) entsteht. Diese lässt sich zwar minimieren, allerdings nur auf Kosten eurer verfügbaren Rechenleistung. Habt ihr schon einige Spuren und Effekte in eurem Projekt, kann ein schwächerer Rechner bei geringer Latenz schonmal an seine Grenzen stoßen und ab einer gewissen Größe des Projekts schafft das dann auch ein amtlicher Computer unter Umständen nicht mehr. Ich bevorzuge trotzdem wenn möglich den Weg durch die Software, weil ich einfach hören will, was tatsächlich auf der Aufnahme landet und weil ich die Möglichkeiten meiner DAW schon bei der Aufnahme vollständig nutzen können möchte. Die Latenz beeinflusst ihr übrigens in den globalen Geräte-Einstellungen eurer DAW (da wo ihr anfangs euer Interface ausgewählt und konfiguriert habt). In diesem Menü findet ihr den Parameter “Buffer-Size” oder “Buffer-Größe” (die genaue Bezeichnung variiert zwischen den DAWs, aber ihr werdet es finden). Je höher dieser Wert, also je mehr Samples ihr dort einstellt, desto größer die Latenz und desto größer die verfügbare Rechenleistung. Wenn ihr diesen Wert geringer wählt, wird die Verzögerung geringer, mit ihr allerdings auch die Power-Reserven, die euer Rechner zur Verfügung hat. Hier müsst ihr eine funktionierende Balance finden, so dass ihr beim Spielen keine Verzögerung wahrnehmt, dabei aber euer Rechner nicht in die Knie geht.

WICHTIG: Aktiviert immer nur eine der beiden Möglichkeiten, sonst bekommt ihr ein seltsames, teilweise ausgelöschtes und gefiltertes Signal zu hören, dass sich aus den beiden leicht zeitversetzten Signalen zusammen mischt!

Technische Grundlagen und Begriffe in der Übersicht:

Hier findet ihr einige der oben genannten Begriffe noch einmal übersichtlich aufgelistet und erklärt, sowie Erläuterungen zu weiteren Parametern und Reglern, die ihr unter Umständen an eurem Equipment, im Internet und in Handbüchern findet:

  • +48 V: ​Siehe Phantomspeisung
  • AD-/DA-Wandler: ​Wandelt analoge Line-Signale in digitale Signale und umgekehrt. AD: analog -> digital. DA: digital -> analog
  • Bändchenmikrofon:​ Dies ist ein sehr empfindliches Mikrofon, das meist sehr geringe Pegel ausgibt und einen eigenen, speziellen Klangcharakter hat. Es löst fein auf, klingt aber in den Höhen meist weich und unaufdringlich und in den Bässen und Tiefmitten voll und voluminös. Für manche Anwendungen ist das sehr angenehm, für andere aber unter Umständen zu dumpf oder dröhnig. Außerdem muss man aufgrund der Empfindlichkeit sehr vorsichtig mit lauten Schallquellen sein und sollte vor allem bei älteren modellen AUF KEINEN FALL die Phantomspeisung am Preamp einschalten!
  • Bittiefe: ​Diesen Parameter verständlich zu erklären ist etwas komplizierter. Man kann das aber problemlos im Internet recherchieren und technisch einwandfrei nachlesen. Ihr müsst beim Aufnehmen lediglich wissen, dass ihr 24 Bit auswählen solltet. 16 Bit verringert vereinfacht gesagt die verfügbare Dynamik und erhöht den Pegel des Rauschens. 32 Bit Float ist bei der Aufnahme nicht notwendig. Die Wandler in eurem Interface können in der Regel ohnehin nur 24 Bit Signale ausgeben, selbst wenn ihr in der DAW 32 Bit einstellt. Diese Funktion hat zwar natürlich aus anderen Gründen ihre Berechtigung, das führt hier allerdings zu weit. In dieser Anwendung verbraucht das Ganze in der Regel nur unnötig Speicherplatz und kann zu Kompatibilitätsproblemen mit anderen DAWs führen.
  • Buffer-Size:​ Je mehr Samples (je größer der Wert), desto größer die Latenz (Verzögerung) und desto größer die verfügbare Rechenleistung.
  • DAW: ​Digital Audio Workstation. Die Software mit der ihr digitale Audiosignale aufnehmen und bearbeiten könnt.
  • DI-Box: ​Passt den Widerstand von Instrumentensignalen an und symmetriert sie, sodass diese an herkömmliche Mikrofon-Preamps weitergegeben werden können.
  • Direct Monitoring: ​Das Abhören des aufzunehmenden Signals in Echtzeit über die Hardware (euer Interface) bevor das Signal im Rechner landet.
  • Dynamisches Mikrofon:​ Dies ist ein relativ unempfindliches Mikrofon, das meist hohe Pegel verträgt, einen vergleichsweise geringen Pegel ausgibt, keine Phantomspeisung benötigt und meistens als Instrumentenmikrofon (vor allem für laute Klangquellen), oder als Live-Gesangsmikrofon verwendet wird.
  • Gain: ​Der Grad der (Vor-)Verstärkung, z.B. an Mikrofon-Preamps. Mehr Gain -> mehr Pegel und umgekehrt.
  • High-Pass-Filter (HPF): ​Oft auch Low-Cut oder Trittschallfilter genannt. Durch Aktivieren dieses Filters werden tiefe Frequenzen bedämpft und somit gelangen Trittschall, tieffrequentes Rumpeln, oder ungewollte Tieffrequente Signalanteile nicht, oder nur sehr schwach in die Aufnahme. Diesen Filter findet man an vielen Mikrofon-Preamps und Mikrofonen. Bei basslastigen Signalen (Bassdrum, etc.) ist dieser Filter mit Vorsicht zu genießen und oft unangebracht. Was einmal herausgefiltert ist, kann nur schwer wieder zurückgeholt werden, falls überhaupt möglich.
  • High-Z Input: ​Eingang für hochohmige Instrumentensignale.
  • Instrumenten-Signal: ​Hochohmig, mit geringem Pegel. Benötigt DI-Box, oder einen Instrumenten-Eingang (“High-Z”) am Interface/Mischpult um weiterverarbeitet werden zu können.
  • Klinke: ​Die gängige Steckverbindung für Instrumenten-Signale (manchmal auch Line-Signale). Es gibt sie in symmetrischer (Drei kontakte, zwei schwarze Ringe am Stecker, “stereo-Klinke”) und unsymmetrischer (zwei Kontakte, ein schwarzer Ring am Stecker, “mono-Klinke”) Ausführung.
  • Kondensatormikrofon:​ Dies ist ein empfindliches Mikrofon, das fein auflöst, ein geringes Eigenrauschen aufweist, 48V Phantomspeisung benötigt und im Studio meist für Gesang und höhen- bzw. detailreiche und realistisch klingende Aufnahmen verwendet wird. Es gibt sie als Groß- & Kleinmembranmikrofone. Erstere (groß) sind in der Regel etwas “träger”, rauschärmer und charaktervoller, letztere (klein) sind in der Regel etwas “schneller”, linearer und rauschen etwas mehr.
  • Latenz: ​Zeitliche Verzögerung
  • Line-Signal: ​Hoher Pegel, ist bereits vor-verstärkt, kann in ein digitales Signal gewandelt, oder von Effektgeräten und anderem Audioequipment weiterverarbeitet werden. Sollte nicht ohne Dämpfung in einen Mikrofon-Preamp, oder einen Instrumenten-Eingang geschickt werden.
  • Mikrofonsignal: ​Niederohmig, mit geringem Pegel. Benötigt Mikrofon-Preamp um weiterverarbeitet werden zu können.
  • Mikrofon-Preamp: ​Ein Vorverstärker, der aus einem pegelschwachen, niederohmigen Mikrofonsignal ein pegelstarkes Line-Signal macht.
  • Pad: ​Schaltbare Vordämpfung, die an vielen Mikrofonen und Preamps zu finden ist. Pegelstarke Signale können damit um einen bestimmten Wert (z.B. -20dB) abgesenkt werden um Verzerrungen durch Übersteuerung der Preamps oder Wandler zu verhindern.
  • Phantomspeisung: ​Eine Spannung (meistens 48V), die vom Mikrofon-Preamp zum Mikrofon geschickt werden kann um Kondensatormikrofone zu betreiben. Sollte bei Bändchenmikrofonen nicht verwendet werden! Dynamische Mikrofon halten diese Spannung normalerweise aus, benötigen sie aber nicht.
  • Samplerate:​ Auch oft Samplingrate genannt. Der Wert gibt an, wie oft ein Signal bei der AD-/DA-Wandlung pro Sekunde abgetastet wird. Z.B.: 48 kHz = 48000 Hz => 48000 mal pro Sekunde. Standard für CDs: 44,1 kHz, Standard für DVD & Video im allgemeinen: 48 kHz. Eine höhere Samplingrate kann jederzeit problemlos in eine niedrigere umgerechnet werden. Einfaches Hochrechnen bringt jedoch keine Verbesserung. D.h. im Zweifelsfall lieber mit 48 kHz arbeiten. Der Speicherverbrauch ist nur unwesentlich größer und es gibt heute keinen vernünftigen Grund mehr, 44,1 kHz zu benutzen. Alles über 48 kHz kann unter bestimmten Voraussetzungen Vorteile (allerdings auch Nachteile) bieten, ist aber auf jeden Fall nicht notwendig.
  • Software-Monitoring: ​Das Abhören des aufzunehmenden Signals nachdem es die DAW und die AD-/DA-Wandlung passiert hat.
  • Symmetrische & un-(bzw. a-)symmetrische Signale: ​Symmetrische Verbindungen (drei Adern, XLR und symmetrische Klinke) sind weniger Störungsanfällig, geeignet für Übertragung über lange Distanzen und der professionelle Standard für die Audioübertragung. Unsymmetrische Verbindungen (“Mono-Klinke”) werden im professionellen Bereich eigentlich nur für Instrumentensignale benutzt, die mittels einer DI-Box dann oft ebenfalls symmetriert werden.
  • XLR: ​Die runde, dreipolige Steckverbindung, die an Mikrofonen, Mikrofonkabeln sowie Ein- & Ausgängen von Audioequipment zu finden ist. Mikrofoneingänge sind fast immer als XLR-Buchsen ausgeführt.

Dieser zweite Teil unsere Serie sollte nahezu alles an technischem Hintergrundwissen beinhalten, was ihr für den Anfang braucht um problemlos starten zu können. Welche Dinge es vor, während und nach der Aufnahme ansonsten zu beachten gilt, erfahrt in den kommenden Teilen dieses Guides. Und keine Angst, so technisch und nerdig wie in diesem Teil wird es ab jetzt nicht mehr. 😉

Viel Spaß beim lernen, aufbauen, experimentieren und ausprobieren!

Wenn ihr Fragen zu diesem Artikel habt, mir Feedback geben wollt, oder mir das Ergebnis eurer DIY-Recordings zeigen wollt, dann schreibt mir jederzeit eine e-Mail an benedikt@outback-recordings.com. Ich lese und beantworte alles!

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Habt einen schönen Tag!

Benedikt Hain | Outback Recordings