DIY-Produktion Teil 3: Los geht’s!

Selbst aufnehmen, professionell mischen und mastern lassen – Dein Guide zur erfolgreichen DIY-Produktion

Noch nie war es so einfach und erschwinglich, Musik aufzunehmen und zu veröffentlichen, wie heute. Gutes Aufnahme-Equipment ist bezahlbar und viele Bands und Künstler produzieren ihre eigenen Releases. Und auch wenn ein gut klingender Aufnahmeraum, gepaart mit dem Gehör und der Erfahrung eines guten Engineers wohl so schnell nicht ersetzbar sein wird – wenn das Budget knapp ist, kann man definitiv zu erstaunlich beeindruckenden Ergebnissen kommen, sofern man bei der Proberaum-Aufnahme ein paar Dinge beachtet und die DIY-Produktion anschließend in die Hände eines professionellen Mixing- und Mastering-Engineers gibt.

Euer Equipment ist eingerichtet, alles funktioniert und ihr wollt verdammt nochmal endlich anfangen aufzunehmen? So sei es – in diesem dritten Teil geht es ans Eingemachte: Das Recording eurer Songs.

Hier geht’s zu Teil 1 und Teil 2 der Serie!

Raumakustik-Basics und Platzierung/Vorbereitung der Instrumente/Amps:

Der Raum, in dem ihr aufnehmt und die Wahl/der Zustand eurer Instrumente, spielen eine sehr wichtige Rolle. Um ehrlich zu sein, die allerwichtigste Rolle! Wesentlich wichtiger als die Qualität der Wandler eures Interfaces oder die Wahl des Mikrofon-Preamps. Mit ein paar einfachen Maßnahmen könnt ihr beinahe jede Umgebung soweit optimieren, dass DIY-Recordings in absolut brauchbarer Qualität machbar sind.

Bitte beachtet: Es geht hier NICHT darum, einen spektakulär klingenden Aufnahmeraum zu bauen! Das Ziel ist, die störenden Einflüsse eines suboptimalen Raumes (und das ist fast jeder Raum) zu minimieren und aus euren Aufnahmen rauszuhalten. Auch geht es hier NICHT um Schallisolierung nach außen. Das ist ein komplett anderes Thema und wirkliche Isolierung ist nur mit sehr hohem Aufwand wirkungsvoll umzusetzen. Solltet ihr Probleme mit Nachbarn haben, ist ein Umzug in einen geeigneteren Raum vermutlich die einfachere Alternative.

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, habe ich hier eine Checkliste für euch erstellt, die euch mit einfachen Mitteln schnell zu brauchbaren Ergebnissen kommen lässt:

Vermeidet parallele, reflektierende Wände
Behandelt immer eine von zwei gegenüberliegenden Wänden mit dickem, absorbierendem Material (Mineralwolle + Stoffbespannung, Schaumstoff, Matratzen, etc.). So verhindert ihr Flatterechos und verringert die Nachhallzeit eures Raumes. Mineralwolle ist mit am wirkungsvollsten und noch dazu sehr günstig. In einem (Holz-)Rahmen und mit Stoff bespannt, sieht diese Variante auch sehr schick aus! Bei Schaumstoff lohnt sich etwas Recherche. Nicht alle Materialien sind wirklich geeignet, auch wenn sie als geeignet verkauft werden. Habt ihr noch ein paar dicke Matratzen o.ä. rumstehen, könnt ihr solche Dinge auf alle Fälle verwenden! Grundsätzlich gilt: Je dicker das Material, desto tiefer die Frequenzen, die absorbiert werden können. Das ist wichtig, denn wenn ihr zu viel sehr dünnes Material verwendet, werden nur hohe Frequenzen bedämpft und ihr bekommt einen dumpfen, wummernden, leblos klingenden Raum. Deshalb reicht in der Regel auch eine von zwei gegenüberliegenden Flächen völlig aus. Ihr könnt übrigens die Wirkung in tieferen Frequenzen noch zusätzlich erhöhen, indem ihr etwas Luft zwischen der Wand und eurem absorbierenden Material lasst. Verbleibende, unbehandelte Wände könnt ihr außerdem mit unregelmäßigen Oberflächen versehen. Bücherregale und andere Möbelstücke können nicht nur optisch und praktisch, sondern auch akustisch wertvoll sein! Das Ziel ist immer, dass auftreffende Schallwellen nicht ungehindert zwischen zwei parallelen Flächen hin- und her-reflektiert werden können. Das gilt übrigens auch für die Decke und den Boden!

Wiederholt 100 mal: “Ich verwende keine Eierkartons! Ich verwende keine…”
Ganz im Ernst: Dieser Schwachsinn muss ein Ende haben! Eierkartons sind akustisch völlig wirkungslos und gehören nicht an die Wand! Nirgends! Abgesehen davon, dass sie viel zu dünn und zu dicht sind, um irgendetwas wirkungsvoll zu absorbieren, sind sie saugefährliche Brandbeschleuniger! Es hat noch kein Raum dieser Welt von Eierkartons an den Wänden profitiert. Helft bitte mit, diesen Mythos zu begraben und klärt auch eure Musikerkollegen auf, danke!

Ecken verstärken den Bassbereich
In den Ecken des Raumes “staut” sich der Bass, also die tiefen Frequenzen. Wenn ihr die Ecken behandelt, wirkt ihr einem dröhnenden, verwaschenen Klangbild entgegen und profitiert von strafferen, definierten Bässen. Dazu nehmt ihr einfach wieder absorbierendes Material und positioniert es in den Ecken. Ihr könnt die Ecken entweder auffüllen, oder einfach quer davor einen Absorber, eine Matratze, etc. stellen und dahinter Luft lassen. Am besten ist es, wenn ihr die ganze Ecke vom Boden zur Decke behandelt. Hier kann man es übrigens auch nicht übertreiben! So gut wie jeder Raum hat einen Überschuss im Bassbereich und durch die restlichen Absorber an der Wand wird das noch verstärkt. Also je mehr Ecken ihr behandelt, desto besser. Außerdem absorbieren ja auch diese “Bassfallen” höhere Frequenzen mit. Ihr schadet damit also in keinem Fall. Ecken befinden sich übrigens auch zwischen dem Boden/der Decke und den Wänden. Also auch horizontal, nicht nur vertikal. 😉

Sucht für das Drumset, die Gitarrenboxen und alle anderen Klangquellen den Ort im Raum, an dem sie am besten klingen.
Ihr werdet überrascht sein, wie groß die Unterschiede sind. Hier lohnt es sich definitiv, ein wenig zu experimentieren! Für die Drums könnt ihr den besten Platz z.B. rausfinden, indem ihr ein großes Floor-Tom nehmt und damit im Raum herumlauft, während ihr mit einem Stick drauf schlagt. Ihr werdet relativ schnell einen Ort finden, wo der Druck am größten, das Sustain kontrolliert und der Attack sauber definiert ist. Dort baut ihr auf. Ansonsten gilt für alle Klangquellen: Das Direktsignal (Mikrofon an der Trommel, am Lautsprecher, am Mund des Sängers, etc.) solltet ihr von den Reflexionen des Raums zeitlich möglichst stark trennen. Das heißt im direkten Umfeld, rund um die Klangquelle, solltet ihr möglichst absorbierendes Material haben. Also z.B. hinter & neben der Gitarrenbox. Die reflektierenden Bereiche des Raumes sollten möglichst weit weg sein. So treffen Direktschall und Reflexion zeitlich verzögert auf das Mikrofon und unser Gehirn kann sie in der so entstandenen Aufnahme voneinander trennen. Wenn Direktschall und Reflexionen relativ knapp hintereinander aufs Mikrofon treffen, nehmen wir die Reflexionen als Teil des Direktschalls wahr und es entsteht ein verwaschener, meist dumpfer und indirekter Sound, der im Mix meist sehr schlecht funktioniert. Also entweder weit weg von der Wand, oder die unmittelbar angrenzenden Wände bedämpfen und die unbehandelten Flächen auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes lassen. Ihr könnt euch auch einfache, absorbierende Stellwände bauen, oder z.B. Matratzen rund um einen Amp, oder das Drumset stellen, um die Direktsignale sauber zu halten, ohne den ganzen Raum zu überdämpfen.

Pflegt und stimmt eure Instrumente
Zieht vor jeder Session UNBEDINGT neue Saiten und neue Felle auf! Das kann ins Geld gehen, ich weiß. Aber es hat einen unfassbar großen Einfluss auf den Sound eurer Aufnahmen und ihr sabotiert euch selbst, wenn ihr diesen Punkt ignoriert. Ihr solltet sogar während der Session den Sound eures Instrumentes immer mal wieder mit den ersten Aufnahmen vergleichen. Sobald ihr feststellt, dass sich der Sound negativ verändert hat, also z.B. dumpfer geworden ist, solltet ihr auch zwischendurch die Verschleißteile wechseln. Es ist bei professionellen Aufnahmen absolut gängig, alle 2-3 Songs neue Saiten aufzuziehen und ähnliches gilt für die Felle der Drums, je nachdem, wie lange die Aufnahmen dauern und wie viele Takes man macht. Die richtige Wahl der Saiten und Felle ist natürlich ebenfalls essentiell! Ihr könnt hier eine Menge Zeit und Geld verschwenden, wenn ihr für euren gewünschten Sound, oder die Stimmung, die ihr verwendet, die falschen Saiten und Felle kauft. Recherchiert, lasst euch beraten und fragt auf alle Fälle auch mal euren Mix-Engineer nach seiner Meinung. Oft kann der euch sogar ganz einfach das perfekte Material empfehlen und zusammenstellen. Ihr schlagt dadurch übrigens zwei Fliegen mit einer Klappe, denn wenn ihr diese Beratung ernst nehmt und die Tipps umsetzt, profitiert zukünftig dann auch euer Live-Sound! Wenn ihr das passende Material habt, achtet bitte peinlich genau auf die Stimmung und den “Wartungszustand” eurer Instrumente. Saiteninstrumente müssen oktavrein gemacht werden, die Saitenlage und die Tonabnehmer müssen richtig eingestellt sein, an den Drums sollte nichts scheppern, rasseln oder quietschen, die Gratungen müssen in Ordnung sein, die Kessel nicht verzogen, die Becken nicht gerissen, usw. Alle elektrischen Komponenten müssen störungsfrei laufen und die Röhren der Amps müssen gewartet sein und einwandfrei funktionieren (ein Check beim Fachmann lohnt sich! Man merkt oft nicht, dass sich der Sound langsam mit der Zeit verändert hat und denkt, alles ist ok. Aber wenn der Amp dann vom Techniker zurück kommt klingt er im Idealfall plötzlich wieder viel fetter!). Und dann natürlich: Stimmen, stimmen und nochmal stimmen! Immer wieder, alle paar Takes. Oft muss man sogar für einen bestimmten Akkord speziell nachstimmen und dann wieder zurück, weil die Gitarre nicht zu 100% bundrein ist. Das ist völlig normal. Man kann es hier nicht zu genau nehmen! Eine perfekte Stimmung ist übrigens nicht nur bei Saiteninstrumenten absolut notwendig, sondern auch Drums funktionieren nur mit dem richtigen Tuning. Selbst wenn man im Nachhinein radikal alle Kessel triggert und mit Samples ersetzt, sind Snare, Toms und Kick auf allen Raummikrofonen, sowie Overheads deutlich zu hören. Und wenn sie im Raum scheiße klingen, naja, dann klingt auch zumindest ein Teil der Aufnahme scheiße. Und im Idealfall hat man natürliche Drums, mit denen man auch ohne Samples super arbeiten kann. Es ist erstaunlich wie viele Drummer absolut keine Ahnung von Drum-Tuning haben! In einem professionellen Studio hilft euch dabei der Engineer oder ein Drum-Tech, aber wenn ihr selber aufnehmt, lohnt es sich absolut, selber so viel wie möglich über das Thema zu lernen. Und, seien wir mal ehrlich, man sollte als ernstzunehmender Schlagzeuger mit dem Instrument seiner Wahl schon vertraut sein, oder kennt ihr einen guten Gitarristen, der sein Instrument nicht stimmen kann? 😉

Mikrofonwahl und -platzierung:

Wenn ihr Drums aufnehmt, gehe ich mal davon aus, dass ihr mit eurem Equipment mindestens 4 Mikrofone gleichzeitig auf getrennte Spuren aufnehmen könnt. Falls ihr programmierte Drums benutzt, überspringt den ersten Teil einfach. Für Bass, Gitarren und Vocals braucht ihr nicht mehr als jeweils zwei Kanäle. Ich gehe der Einfachheit halber außerdem davon aus, dass ihr einigermaßen gängige Mikrofone mit Nierencharakteristik benutzt. Was das genau bedeutet könnt ihr hier nachlesen. Wenn ihr Mikros mit 8er-, Hypernieren-, oder Kugelcharakteristik benutzt, kann das an sich natürlich super funktionieren, ihr müsst die Richtcharakteristik bei der Platzierung aber definitiv speziell berücksichtigen!

Drums (Wichtigkeit der Mikros in folgender Reihenfolge):

● Overheads (Kondensator- oder Bändchenmikrofone, hier ist vieles möglich und wie immer alles erlaubt, was gefällt):
Platziert ein Paar Mikros (am besten zwei gleiche) über dem Drumset, so dass sie das ganze Kit und vor allem (aber nicht nur) die Becken gleichmäßig und ausgewogen abbilden. Achtet dabei darauf, dass Kick und Snare den gleichen Abstand zu beiden Mikrofonen haben, damit sie nachher im Mix in der Mitte bleiben, wenn wir die Spuren im Stereobild nach links und rechts platzieren. Denkt euch dabei die Mitte des Drumsets nicht auf einer Achse mit der Länge der Bassdrum, sondern als Linie durch die Mitte von Kick und Snare (in etwa). Wie in folgender Abbildung:

Platziert die beiden Mikrofone nun im rechten Winkel und im selben Abstand links und rechts von dieser Linie. Je nachdem ob ihr mehr Becken, oder mehr Kessel wollt, könnt ihr die Mikrofone in die entsprechenden Richtungen zeigen lassen und so die Balance verändern. Ihr solltet auch darauf achten, die Mikrofone nicht zu nah zueinander und nicht zu hoch aufzubauen. Ein guter Richtwert und Ausgangspunkt ist die sogenannte 3 zu 1 Regel: Die Mikrofone sollten in etwa dreimal so weit voneinander entfernt sein, wie ein einzelnes Mikrofon zur Schallquelle. Von hier aus könnt ihr mit der Höhe und dem Abstand experimentieren, bis euch das Ergebnis gefällt. Checkt das Ergebnis immer sowohl mono, als auch mit den Mikros hart links und rechts im Stereobild!
Alternativen zu dieser gängigen Platzierung wären z.B. X/Y- oder ORTF-Mikrofonierung, oder spezielle Verfahren wie die Glyn Johns-, oder die Recorderman-Technik. Das würde hier den Rahmen sprengen, aber ihr könnt diese Techniken natürlich jederzeit recherchieren und ausprobieren!

● Bassdrum (dynamisches Allround-Mikrofon, oder spezielles Bassdrum-Mikrofon):
Hier funktioniert sowohl ein klassisches Instrumentenmikrofon, wie z.B. ein Shure SM57, oder ein Sennheiser MD421, oder ihr greift zu einem speziellen Bassdrum-Mikrofon, wie z.B. dem AKG D112, oder dem Audix D6. Auch in günstigen Drum-Mikrofonsets sind solche Mikros enthalten und selbst diese können sehr gut funktionieren. Wichtig ist vor allem, dass euer Mikro hohe Schalldrücke aushält und den tieffrequenten Bereich ausreichend gut überträgt.
Platziert das Mikrofon am besten durch das Loch im Resonanzfell im Inneren der Bassdrum. Solltet ihr kein Loch im Resonanzfell haben, kauft euch eins mit Loch, oder macht eins rein. Aber Vorsicht! Dabei kann man das Fell leicht zerstören! Ich empfehle, einfach eines mit Loch zu kaufen. Je näher ihr mit dem Mikrofon ans Schlagfell geht, desto mehr Attack und “Klick”-Sound bekommt eure Bassdrum, je weiter ihr in Richtung Resonanzfell kommt, desto mehr Bass, “Bauch” und “Körper” bekommt sie. Experimentiert mit der Position und findet raus, was am besten zu eurem Sound passt!

● Snare (dynamisches Allround-Mikrofon):
An der Snare funktionieren alle gängigen, dynamischen Instrumenten-Mikrofone hervorragend. Das klassische Shure SM57, oder das Audix i5 sind zwei prominente und häufig verwendete Vertreter dieser Gattung. Auch hier ist vor allem wichtig, dass das Mikrofon hohe Pegel verträgt, ohne zu verzerren, oder Schaden zu nehmen. Platziert das Mikrofon oben an der Snare, mit der Kapsel ein paar cm über dem Spannreifen und zur Mitte des Fells hin zeigend. Achtet darauf, dass die Rückseite des Mikrofons (Nierencharakteristik) zu den Hi-Hats gedreht ist, um möglichst wenig davon auf der Snare-Aufnahme zu haben. Von dieser Ausgangsposition aus könnt ihr nun den Abstand zum Fell und den Winkel variieren, bis ihr eure perfekte Mischung aus Attack, Sustain und Obertönen gefunden habt. Grob kann man sagen: Je näher ihr ran geht, desto mehr Bauch und Fundament bekommt ihr (kann auch zu viel sein!), je weiter ihr weg geht, desto offener und voller klingt die Snare (allerdings bekommt ihr dann auch mehr von den Becken und dem restlichen Kit aufs Mikro), je mehr ihr es zur Mitte ausrichtet, desto mehr Attack nimmt das Mikrofon auf und je weiter ihr es in Richtung Rand neigt, desto mehr Obertöne und Sustain bekommt ihr.

● Toms (dynamische Allround-Mikrofone, alle möglichen Kondensator-Mikrofone, oder spezielle Tom-Mikrofone):
An den Toms funktionieren ebenfalls die üblichen Verdächtigen, aber auch Kondensator-Mikros können super Ergebnisse liefern. Pegelfestigkeit ist aber auch hier ein Muss. Sehr beliebt sind unter anderem z.B. das Sennheiser MD421, das Audix D2, oder Kondensator-Instrumentenmikros wie z.B. das Audio Technica AE3000. Was die Platzierung betrifft, verhält es sich im Prinzip wie bei der Snare, allerdings müsst ihr hier eher das Übersprechen der Becken berücksichtigen und weniger die Hi-Hats.

● Snare-Teppich (Mikrofonwahl siehe Snare):
Zusätzlich zum Mikrofon oben an der Snare könnt ihr eines unter der Snare in Richtung Teppich platzieren, um die Nuancen und höhenreichen Details des Teppichs einzufangen. Hierfür eignen sich auch pegelfeste Kondensatormikrofone sehr gut. Achtet darauf, dass ihr die Phase (Polarität) des unteren Mikros um 180° dreht. Viele Interfaces und Preamps haben dafür einen Schalter und wenn nicht, könnt ihr das ganz einfach in eurer Aufnahmesoftware machen. Diese Funktion gibt es in jedem Programm. Macht ihr das nicht, löschen sich Teile der Snare-Signale gegenseitig aus, weil die Mikrofone dieselbe Schallquelle aus gegensätzlichen Richtungen aufnehmen. Das Signal wird dann nicht fetter, sondern dünner.

● Hi-Hats, Ride, China, etc. (alles, was noch übrig ist – gängig sind vor allem Kondensatormikros):
Ihr könnt die Hi-Hats und alle anderen Becken mit Stützmikros versehen, um Details herauszuarbeiten und Elemente zu pushen, die auf den Overheads unterrepräsentiert sind.

● Raummikrofone (alles, was noch übrig ist – gängig sind vor allem Kondensator- und Bändchenmikros):
Raummikros sind für einen fetten Drumsound eigentlich sogar sehr wichtig, ich hab sie aber trotzdem an die letzte Stelle gesetzt, weil bei DIY-Aufnahmen oft kein gut klingender Raum zur Verfügung steht, oder die Mikrofone, bzw. Kanäle am Interface nicht ausreichen, um den Raum einzufangen. Wenn ihr aber 1-2 Kanäle übrig habt, nehmt euren Raum unbedingt mit auf! Ganz egal, wie schlecht, oder seltsam er klingt und ganz egal, wie groß oder klein er ist! Euer Raum ist eine einzigartige Klangfarbe, die man im mix kreativ einsetzen kann und die eure Aufnahme von allen anderen unterscheidet! Er gibt eurem Sound Tiefe und eine weitere Dimension, die man künstlich nur schwer erzeugen kann. Und wenn er wirklich gar nicht zu gebrauchen ist, dann kann man die Spuren immer noch stumm schalten und sich andere Lösungen überlegen. 😉 Ich würde sogar sagen, bevor ihr Hi-Hats oder Becken mikrofoniert, die eigentlich eh deutlich genug in den Overheads repräsentiert sind, prüft genau, ob das wirklich sein muss und stellt ggf. lieber 1-2 Raummikrofone auf! Sucht euch dazu die Positionen im Raum, die am coolsten, oder interessantesten klingen und packt da eure Mics hin. Das kann auch der Raum nebenan, oder ein Treppenhaus sein. Irgendwas, was eure Drums groß, interessant, oder räumlich klingen lässt und dem Kit extra Power oder einen speziellen Charakter verleiht.

Noch eine Anmerkung zur Spielweise:

WIE ihr die Drums spielt ist ebenfalls sehr sehr wichtig! Nicht nur was das Timing betrifft, sondern auch den Sound. Die Stichworte lauten vor allem Konstanz und Becken-Kessel-Balance! Achtet darauf, die Kessel und Becken mit gleichmäßiger Intensität und immer wieder an denselben Stellen zu treffen. Versucht außerdem, die Kessel hart und die Becken vergleichsweise sanft zu treffen. Die Mehrzahl der eher unerfahrenen Drummer spielt ihre Becken zu laut und die Kessel zu leise. Gehörst du dazu? Um das herauszufinden, stellt am besten mal ein einzelnes Mikrofon ein paar Meter vor das Drumkit und nehmt euch beim Spielen auf. Haben Kick, Snare und Toms genügend Punch um sich in einem Mix durchzusetzen? Oder hört ihr hauptsächlich Becken und Hi-Hats und eher dünn klingende Kessel? Wie ist der Klang der Kessel? Es geht dabei nämlich nicht nur um Lautstärke. Eine laut und hart gespielte Trommel entfaltet ihren Klang ganz anders, als eine weich und leise gespielte. Im Gegensatz dazu klingt ein guter Beckensatz auch leise gespielt explosiv, klar, brillant und keinesfalls zu leise. Gute Drummer variieren zwar je nach Part ihre Gesamtlautstärke und -härte, aber das Verhältnis zwischen Becken und Kesseln passt immer und meist werden die Kessel auch bei ruhigen Parts lauter gespielt, als man denken könnte. Berücksichtigt man das nicht, klingt das Drumkit nicht nur im Raum unausgewogen, sondern lässt sich nachher auch sehr schwer mischen, da die lauten Becken auf sämtlichen anderen Drum-Mikrofonen stark zu hören sind, was die Bearbeitungsmöglichkeiten dieser einschränkt. Es lohnt sich aus diesem Grund auch auszuprobieren, wie hoch man Becken und Hi-Hats hängen kann, ohne Probleme beim Spielen zu bekommen. Je höher (und somit weiter weg von den anderen Mikrofonen), desto besser!

Gitarren:

Ich empfehle, nach den Drums die Gitarren aufzunehmen (außer natürlich ihr nehmt live auf). Das hat den Grund, dass man so Tuning und Timing wesentlich besser beurteilen kann, als wenn man mit dem Bass weiter macht. Das tieffrequente Signal von Bassinstrumenten macht es unserem Gehör wesentlich schwerer, Abweichungen in der Tonhöhe zu erkennen und da kann es schonmal sein, dass man nicht merkt, wenn eine Saite verstimmt, oder ein Ton verzogen ist – bis dann die Gitarre dazu kommt und man alles nochmal machen muss. Sehr ärgerlich. Außerdem werden die meisten Songs auf der Gitarre geschrieben, so dass diese das Anschlagsmuster und Timing des Riffs vorgibt. Der Bass spielt eine unterstützende Rolle und muss sich in den meisten Fällen dem Gitarrenriff anpassen und nicht umgekehrt. Wenn ihr mit dem Bass anfangt aufzunehmen, bevor zumindest eine Rhythmusgitarre im Kasten ist, kann es vorkommen, dass ihr ein Pattern spielt, das nicht zum Riff passt und es nicht merkt – bis dann die Gitarre dazu kommt und man alles nochmal machen muss. Ebenfalls sehr ärgerlich.

  • Mikrofonierter Amp (dynamisches Allround-Mikrofon):
    Hier funktioniert im Prinzip alles, was auch schon an der Snare funktioniert hat. Bewährt sind auch in diesem Fall z.B. die Klassiker Shure SM57, oder Sennheiser MD421. Ein weiteres, erschwingliches, hervorragend klingendes Mikrofon dieser Art ist das Sennheiser e906. Auch mit Kondensator- oder Bändchenmikros könnt ihr experimentieren. Findet zunächst heraus, welcher eurer Lautsprecher am besten klingt. Und ich meine nicht welche Box, sondern welcher von den einzelnen Lautsprechern in ein- und derselben Box! Jap, das macht tatsächlich einen Unterschied. Und was für einen! Positioniert dann das Mikrofon an eurem Lieblingslautsprecher. Als Ausgangsposition geht ihr mit dem Mikrofon so nah wie möglich an die Box und richtet es auf die Stelle des Lautsprechers aus, wo die Staubschutzkappe auf die Lautsprechermembran übergeht. Um das genau erkennen zu können, leuchtet am besten mit einer Taschenlampe, oder eurem Smartphone hinein. Diese Position sollte euch einen guten, relativ ausgewogenen Startpunkt liefern. Wenn ihr von hier aus weiter zur Mitte hin geht, wird der Sound höhenlastiger und “schärfer”, wenn ihr das Mikro weiter zum Rand hin bewegt, wird der Sound basslastiger und dumpfer. Wenn ihr den Abstand vergrößert, wird der Sound offener, räumlicher und “untenrum dünner”, wenn ihr wieder nah ran geht, bekommt ihr maximalen Druck im Bassbereich. Findet die passende Position für euren Sound!
  • DI-Signal (DI Box oder Splitter + Hi-Z Input):
    Parallel zum mikrofonierten Amp solltet ihr ein DI-Signal aufnehmen. Das ist das rohe, unbearbeitete Signal, das aus eurer Gitarre kommt. Dann kann man den Gitarrensound im Mix noch jederzeit ändern oder anpassen, indem man das DI Signal durch einen Amp schickt und sozusagen neu aufnimmt, ohne, dass der Gitarrist nochmal spielen muss (Re-Amping). Also falls euer Gitarrensound bei der Aufnahme super klingt, aber sich in einem fertigen Mix schlecht durchsetzt (was oft vorkommt), oder wenn der Sound an sich funktioniert, aber noch ein kleines bisschen Charakter, oder ein bestimmter Frequenzbereich fehlt, kann man das ganz einfach und ohne Nebeneffekte lösen, indem man im Mix einen zusätzlichen Amp dazu mischt, oder einfach den ursprünglichen Sound durch einen besser funktionierenden ersetzt. Zum anderen hilft ein DI-Signal sehr dabei, Gitarrenspuren sauber und schnell editieren (schneiden) zu können. Ein verzerrtes Gitarrensignal ist von natur aus sehr stark komprimiert und seine Wellenformdarstellung in der Software sieht deshalb aus wie eine fette Wurst, in der man kaum die Anschläge erkennen kann. Ein cleanes DI-Signal dagegen, zeigt ganz klare Anschläge in der Wellenform und wenn es vom selben Take, also synchron zum verzerrten Signal aufgenommen ist, kann man wunderbar erkennen, wo sich die Gitarrentakes am besten schneiden lassen.
    Und es gibt noch etliche weitere technische, wie kreative Anwendungen für ein DI-Signal. Ihr seht also, es gibt keinen Grund ein solches nicht aufzunehmen.
    Alles was ihr dafür tun müsst, ist eine DI-Box zwischen eure Gitarre und den Amp zu hängen. Vom “Thru”-Ausgang (heißt bei jeder DI-Box etwas anders, gemeint ist der Klinkenausgang, der das Eingangssignal unverändert wieder ausgibt) der DI-Box geht ihr in euren Amp und mikrofoniert die Box ganz normal. Vom XLR-Ausgang der DI-Box schickt ihr gleichzeitig ein symmetriertes und im Widerstand angepasstes Signal zu einem zweiten Mikrofonpreamp, bzw. -Eingang am Interface. Die DI-Box macht aus dem Gitarrensignal technisch gesehen sozusagen ein Mikrofonsignal, das von einem ganz normalen Mikrofonvorverstärker (XLR-Eingang am Interface) verarbeitet werden kann. Beide Signale nehmt ihr auf getrennte Spuren in eurer Software auf.
    Alternativ dazu könnt ihr einen Gitarren-Splitter benutzen. Dieser teilt das Gitarrensignal einfach in zwei identische Signale auf. Ohne Anpassung/Wandlung des DI-Signals. Eins davon schickt ihr zum Amp, das andere in einen Instrumenten-Eingang (Hi-Z) eures Preamps/Interfaces.

    Benutzt dafür NICHT den Line-Eingang! Line-Inputs sind zwar meistens auch als Klinke ausgeführt, benötigen aber eine ganz andere Art on Signal um wie vorgesehen zu funktionieren! Achtung: Hängt die DI-Box/den Splitter unbedingt VOR eure Pedale, falls ihr welche benutzt! Ihr wollt das cleane, absolut unbearbeitete Signal aus eurem Instrument abgreifen!

    Wenn ihr euch nicht sicher seid, welche Art Eingänge/Preamps ihr genau habt, bzw. euch fragt, wo nochmal die Unterschiede zwischen Mikrofon-, Instrumenten- und Line-Signalen liegen, sei euch der vorherige Teil (Teil 2) dieser Serie ans Herz gelegt. Dort könnt ihr das alles nochmal leicht verständlich nachlesen.

  • Amp-Simulationen (Kemper, Axe-FX, Plugins, etc.):
    Anstelle eines echten Verstärkers + Box könnt ihr natürlich auch eine Amp-Simulation eurer Wahl benutzen. Es gibt heute etliche richtig gut klingende Plugins und Hardware-Geräte mit Sounds für alle möglichen Genres, so dass absolut nichts dagegen spricht. Im Gegenteil. Oft ist es bei DIY-Produktionen sogar einfacher und schneller, richtig gute Sounds mit Amp-Sims hinzubekommen, als einen Amp mit Box richtig einzustellen und zu mikrofonieren. Ein passabler digitaler Sound ist immer besser, als ein schlecht mikrofonierter Amp. Ich habe selten Amp-Spuren von Leuten zugeschickt bekommen, die wirklich gut aufgenommen waren. Amp-Sim Sounds waren dagegen schon einige sehr sehr fette dabei, weil die Software dem User das eigentliche Engineering in großen Teilen abnimmt. Und wenn der jeweilige Sound gut gemacht ist und zu eurem Genre/eurem persönlichen Style passt, funktioniert das Ganze in der Regel auch gut im Mix! Außerdem macht diese Methode das Anliefern der DI-Spur noch viel einfacher. Ihr steckt eure Gitarre einfach direkt in euren Hi-Z Input (Instrumenteneingang) und spielt durch ein Plugin in der Software. Ihr könnt das aufgenommene DI-Signal dann einfach kopieren und einmal mit, einmal ohne Plugin exportieren. Benutzt ihr Hardware, wie den Kemper, oder Axe-FX, habt ihr die DI Ausgänge bereits in das Gerät integriert und könnt gleichzeitig das Amp-Signal, sowie das rohe DI-Signal abgreifen und aufnehmen.

    Achtung: Benutzt ihr echte Pedale vor der Amp-Simulation, dann müsst ihr trotz allem eine DI Box, oder einen Splitter benutzen, die/den ihr VOR eure Pedale hängt! Ihr wollt das cleane, absolut unbearbeitete Signal aus eurem Instrument abgreifen!

 

Bass:

Im Prinzip geht ihr hier genauso vor, wie bei den Gitarren. Wollt ihr einen echten Amp benutzen, dann nehmt gleichzeitig ein DI-Signal auf. Beim Bass ist die Wahrscheinlichkeit, dass das DI-Signal im Mix benutzt wird, sogar noch höher, denn hier wird es oft nicht nur zum Reampen, sondern auch als Teil des eigentlichen Sounds benutzt. Ein aggressiver, verzerrter Bass-Sound aus einem Amp kann z.B. sehr von einem dazugemischten, cleanen Di-Signal profitieren, weil dieses noch den satten vollen Bassbereich enthält, der beim Amp-Signal mit hoher Wahrscheinlichkeit dünner ausfällt. Ein richtig guter Bass-Sound besteht oft aus solchen verschiedenen “Layern”

  • Amp (XLR-Out, oder mikrofonierte Box):
    Viele Amps haben einen integrierten XLR-Output, der euch ein symmetrisches und im Widerstand angepasstes Signal ausgibt. Oft kann man auch wählen zwischen unbearbeitetem Signal (“Pre” – vor dem EQ/Kompressor/etc. des Amps) und bearbeitetem Signal (“Post” – nach dem EQ/Kompressor/etc. des Amps). Probiert einfach aus, wie es klingt und wenn es euch gefällt, nehmt dieses Signal auf! Ihr könnt eine Bassbox natürlich auch jederzeit mikrofonieren. Dafür eignen sich im Prinzip alle Arten von Mikrofonen. Eure Wahl hängt eher davon ab, was ihr mit dem Amp-Signal erreichen wollt. Soll der ganze Sound des Amps ausgewogen repräsentiert werden, nehmt ihr am besten ein pegelfestes Kondensator-Mikrofon. Wollt ihr einen aggressiveren, oder knurrig-mittenbetonten Sound, dann probiert am besten mal ein dynamisches Mikro à la Shure SM57 oder Sennheiser MD421. Wenn ihr hauptsächlich den Bassbereich und etwas Attack betonen und die Mitten eher ausblenden wollt, dann versucht es mal mit einem Bassdrum-Mikrofon, wie dem AKG D112, oder dem Audix D6. Auch Bändchen-Mikros können hervorragende, druckvolle Sounds liefern, allerdings solltet ihr hier sehr auf den Pegel achten und das Mikrofon vorsichtshalber etwas schräg zur Box neigen. So eine Bassbox bewegt jede Menge Luft, die das empfindliche Bändchen beschädigen oder zerstören kann.
  • DI-Signal (DI Box oder Splitter + Hi-Z Input):
    Siehe Gitarren. Die Vorgehensweise ist genau dieselbe.
  • Amp-Simulationen (Kemper, Axe-FX, Plugins, etc.):
    Siehe Gitarren. Die Vorgehensweise ist genau dieselbe.
  • Spezielle Bass-Preamps (Sansamp, Darkglass B7K, etc.):
    Es gibt gerade für den Bass unzählige Preamps und analoge Amp-Simulationen in Pedalform, oder als 19”-Rackgerät. Prominente und beliebte Vertreter sind z.B. die Sansamp-Modelle von Tech21, oder die verschiedenen Darkglass Pedale. Diese Preamps können, wie der Name schon sagt, vor einem Amp benutzt werden, oder einfach als kompakter Amp-Ersatz. Sie haben meist symmetrische XLR-Ausgänge und bieten je nach Modell Zerre, EQ, Kompressor, etc. Manche von ihnen ahmen bekannte Amp-Sounds nach, andere haben einen komplett eigenständigen Charakter. Nehmt diese Signale ruhig auf, aber denkt daran, dass ihr auch hier ggf. eine DI-Box/einen Splitter VOR dem Preamp braucht, da dieser das Signal bereits bearbeitet ausgibt. Eine Ausnahme bilden solche Pedale/Preamps, die zwei XLR-Ausgänge bieten und zusätzlich zum bearbeiteten Signal, das rohe DI-Signal ausgeben.

Keys/Synths:

  • Analog-Synths, Digitale Hardware-Synths, Keyboards, Sampler, etc. (Line-Ausgänge):
    Nehmt die Line-Ausgänge des Instruments und geht damit direkt in die Line Eingänge eures Interfaces. Wenn ihr keine Line-Eingänge zur Verfügung habt, oder Mikrofon-Preamps verwenden wollt, dann benutzt DI-Boxen mit Line-Eingang oder schaltbarer Dämpfung für den Instrumenten-Eingang und geht dann mit dem angepassten Signal in eure Mikrofon-Preamps. Manche Instrumente bieten auch bereits angepasste DI-Ausgänge. In diesem Fall könnt ihr direkt in eure Mikrofon-Preamps gehen. Ich spreche übrigens in der Mehrzahl, weil es häufig um Stereo-Synths geht, die zwei Eingangskanäle brauchen, einen für links und einen für rechts.
  • Virtuelle Synths (MIDI):
    Benutzt ihr Software Synths oder -Sampleplayer, benötigt ihr lediglich ein Master-Keyboard, bzw. einen MIDI-Controller. Dieses Keyboard verbindet ihr entweder per MIDI-Kabel mit eurem Interface, oder, wie bei neueren Geräten eher üblich, per USB direkt mit eurem Rechner. Das Keyboard/der Controller schickt dann keine Sounds, sondern lediglich MIDI-Befehle an den Rechner, die dann von der Software eurer Wahl verarbeitet werden. Der eigentliche Klangerzeuger ist also euer Software-Synth, der mit MIDI-Befehlen gefüttert wird. Die Vorteile: Ihr könnt im Nachhinein die komplette Performance verändern, einzelne Noten löschen oder hinzufügen, das Timing oder die Tonhöhe korrigieren und vieles mehr. Außerdem könnt ihr nach der Performance den endgültigen Sound festlegen, wenn ihr alles zusammen im Kontext gehört habt. Ihr könnt dann, ähnlich wie bei DI-Gitarren, die MIDI-Datei zusätzlich zu eurem Synth-Sound anliefern, so dass man, wenn nötig, im Mix noch eingreifen kann. Viele Hardware-Synths und Keyboards bieten übrigens ebenfalls MIDI- oder USB-Ausgänge an, über die sich parallel zu den Line-Ausgängen MIDI-Befehle ausgeben lassen. So kann man die MIDI-Datei zusätzlich zum Synth-Sound aufzeichnen, oder das Gerät ganz einfach als Master-Keyboard verwenden, falls die internen Sounds einfach scheiße klingen und ihr sowieso auf virtuelle Instrumente zurückgreifen wollt.

Vocals:

Der Gesang ist ein besonders persönliches “Instrument” und in fast allen Genres das Aushängeschild des Songs. Deswegen zählt hier vor allem eines: >DIE PERFORMANCE!<

  • Kopfhörer und Kopfhörer-Mix:
    Eine gute Performance fängt mit dem Kopfhörermix an. Stellt sicher, dass ihr beim Singen eine Balance aus allem, was für euer Timing und die Intonation wichtig ist, hört, dass ihr laut genug macht um das richtige Feeling zu bekommen, aber leise genug bleibt, um euren Ohren nicht zu schaden und die Tonhöhe und Dynamik eurer Performance noch perfekt einschätzen zu können. Benutzt am besten einen bequemen, aber geschlossenen Kopfhörer, damit von eurem Playback nichts in die Aufnahme gelangt. Einer meiner Favoriten ist der Beyerdynamic DT770 Pro (250 Ohm).
  • Dynamische Mikrofone:
    Wichtiger als all die technischen Dinge ist, dass die Emotion, die Energie und die Leidenschaft bestmöglich rüberkommen. Dazu muss die Sängerin/der Sänger sich wohl fühlen und aus sich herausgehen können. Und gerade ungeübte Sänger mit wenig Studioerfahrung und schlechter Mikrofontechnik haben oft Schwierigkeiten, vor einem Mikrofon festgenagelt stehen und abliefern zu müssen, wenn es darauf ankommt. Ist das bei euch der Fall, probiert es anstelle der üblichen Kondensatormikros einfach mal mit einem simplen Mikrofon in der Hand, à la Shure SM58, wie ihr es von euren Live-Shows her kennt. Das ist bezahlbar, klingt besser als man denken würde und gibt euch ein vertrautes Gefühl, sowie die Möglichkeit, euch zu bewegen und authentisch zu performen. Ich würde jederzeit ein Quentchen Soundqualität für einen besseren und mitreißenderen Take opfern! In vielen Genres ist sogar die Soundcharakteristik von einfachen, dynamischen Mikros von Vorteil. Gerade aggressive Vocals, die schnell mal unangenehm scharf klingen und sich gegen Gitarrenwände durchsetzen müssen, profitieren von den weniger brillanten Höhen und den betonten Mitten. Aufpassen müsst ihr natürlich auf Griffgeräusche, Klopfer, laute Atemstöße, etc.
    Außerdem: HALTET AUF KEINEN FALL DIE KAPSEL DES MIKROFONS ZU! Viele Sänger “cuppen” das Mikrofon. Das bedeutet, sie greifen mit der Hand um den Mikrofonkorb und singen praktisch in ihre Hand. MACHT DAS NICHT, AUßER IHR WOLLT DEN EFFEKT UND WISST WIRKLICH WAS IHR DA MACHT! Durch das Umschließen der Kapsel verändert sich nicht nur der Sound zum Negativen, sondern es verändert sich auch die Richtcharakteristik des Mikrofons. Aus einer Niere wird annähernd eine Kugel, was bedeutet, dass das Mikrofon plötzlich für Schall von hinten anfällig und empfindlich wird und der Raum, euer Trittschall, usw. deutlicher hervortritt. Live ist das ein häufiger Grund für Feedback und zu leises Monitoring. Ihr tut wirklich allen Beteiligten einen Gefallen, wenn ihr das Mikrofon am dafür vorgesehenen Griff festhaltet.
  • Kondensator-Mikrofone:
    Habt ihr mit der Performance keine Probleme und wollt einen “teureren”, offeneren Sound? Dann geht den bewährten Weg und nehmt ein gutes Großmembran-Kondensatormikrofon. Vor dem Mikrofon befestigt ihr einen Pop-Schutz, das ist meist eine Membran aus Stoff, oder ein dünnes Metallgitter und bedämpft starke Atemstöße, so dass die Kapsel dadurch keine unangenehmen, lauten Geräusche und Plosivlaute überträgt. Diesen Pop-Schutz könnt ihr außerdem als Abstandshalter benutzen, denn meist ist es gut, nicht zu nahe an der Kapsel zu singen. Ca 20 cm Abstand sind ein guter Ausgangspunkt. Geht ihr näher ran, betont ihr die Grundtöne und den Bassbereich der Stimme. Auch S- und Zischlaute werden lauter. Die Stimme wirkt intimer und direkter. Geht ihr weiter weg, wird das Klangbild ausgewogener und weniger dröhnend. S-Laute sind weniger aufdringlich. Aber natürlich vergrößert sich mit dem Abstand auch der Einfluss des Raumes. Hört genau hin und vermeidet auf jeden Fall zu viel Räumlichkeit, vor allem in kleinen, suboptimalen Räumen. Achtet auch auf einen einigermaßen konstanten Mikrofonabstand, um Soundunterschiede während der Performance zu vermeiden. Wenn ihr geübt seid und eine gute Mikrofontechnik entwickelt habt, könnt natürlich bewusst mit dem Abstand spielen und in lauten Passagen etwas zurückgehen, bei intimen, leiseren Passagen näher ran.
  • Gesangsaufnahmen und der Raumeinfluss:
    Auch wenn möglichst trockene, direkte Vocalaufnahmen fast immer erstrebenswert sind, bin ich übrigens kein großer Fan von “Gesangskabinen” und sogenannten “Reflexion Filters” oder “Mic Screens”. Das sind diese meist halbrunden Metallschilde, die auf der Innenseite mit absorbierendem Material ausgekleidet sind und den Nachhall, bzw. den Einfluss des Raumes aus der Aufnahme raushalten sollen. In sehr sehr ungeeigneten, stark halligen Räumen sind sie eine Notlösung, aber in den allermeisten Fällen richten sie meiner Erfahrung nach mehr Schaden an, als sie nutzen. Diese “Schilde” werden hinter dem Mikrofon angebracht, also an der ohnehin unempfindlichen Seite des Mikrofons, sofern man die gängige Nierencharakteristik benutzt. Sie absorbieren und blockieren aufgrund ihrer geringen Stärke nur relativ hochfrequente Anteile der Reflexionen und machen den Raumanteil daher dumpf. Außerdem reflektieren sie selbst einen Teil der Stimme in unmittelbarer Nähe des Mikrofons und verändern so meist deutlich hörbar das Klangbild. Gesangskabinen sind oft akustisch ebenfalls schwierig und haben neben der Nähe der Wände zum Mikrofon auch noch das Problem, dass sie aufgrund ihrer Größe genau in den Frequenzbereichen Resonanzen aufweisen, die für den Gesang essentiell sind. Ein hörbar verbogener Frequenzgang ist die Folge. Wesentlich besser ist es, die absorbierende Fläche hinter der Schallquelle zu platzieren und nicht hinter dem Mikrofon! Man stellt sich also am besten mit dem Rücken zu einem Absorber (entweder eine mobile Stellwand, oder einfach ein Absorber, Matratze, etc. an einer Wand) und singt in den offenen Raum hinein. Die Rückseite des Mikrofons zeigt also in den Raum. Das hat zur Folge, dass in der unmittelbaren Umgebung, vor der empfindlichen Seite des Mikrofons keine Reflexionen entstehen, die sich mit dem Direktsignal mischen könnten. Die Reflexionen von den übrigen, weiter entfernten Wänden kommen erst sehr spät am Mikrofon an, sind im Pegel wesentlich geringer (werden also von der Stimme größtenteils verdeckt) und sind von unserem Gehirn (wenn überhaupt hörbar) deutlich als Raumanteil, oder Nachhall zu erkennen. Nicht als komischer, indirekter Vocalsound. Auch hier haben dynamische Mikrofone einen Vorteil, da sie viel unempfindlicher für leise Schallquellen sind und Räume daher sehr gut ausblenden können. Ein sehr prominenter und hervorragend klingender Vertreter dieser Gattung ist übrigens das Shure SM7 (B). Es ist ein sehr hochwertiges, dynamisches Mikrofon, das dem “teuren” Sound von guten Kondensatormikros recht nahe kommt, allerdings die grundsätzlichen Charaktereigenschaften seiner Gattung beibehält und wesentlich erschwinglicher ist.
  • Mikrofonposition vor dem Sänger/der Sängerin:
    Es ist wirklich interessant zu hören, wie sehr sich der Sound ändert, wenn ihr das Mikrofon vor dem Mund ein Stück nach oben oder unten bewegt. Hört hin und entscheidet, was am besten zur Stimme passt. Nasale, dröhnende, oder zu dünne Stimmen können durch die passende Position oft bereits weitestgehend korrigiert werden. Außerdem hat jeder Sänger/jede Sängerin abhängig von der Anatomie seines/ihres Mundes, Oberkörpers und Kopfes einen eigenen “Sweet-Spot”, an dem der Sound der Stimme am besten und ausgewogensten abgestrahlt wird. Findet ihn!

Technisches rund um die eigentliche Aufnahme:

Sobald alles mikrofoniert ist, geht’s zum Soundcheck! Der/die jeweilige Musiker(in) spielt sein/ihr Instrument, oder singt und ihr stellt den Aufnahmepegel ein. Seid ihr im gleichen Raum, hört ihr mit Kopfhörern ab, damit nichts von euren Lautsprechern in die Mikrofone gelangt. Schaltet in eurer Aufnahmesoftware den jeweiligen Kanal scharf und hebt den Pegel an, bis ihr in den Spitzen irgendwo zwischen -12 dBFS und -6 dBFS landet. Also etwa 6-12 dB unter der digitalen Übersteuerungsgrenze von 0 dB. Lasst das Signal niemals über 0 dB gehen, außer ihr macht das absichtlich als Effekt. Bedenkt aber jederzeit, dass man die dabei entstehenden Verzerrungen nachträglich nicht mehr entfernen kann. Hört auch genau hin, was euer Mikrofon-Preamp (XLR-Eingang am Interface) macht, wenn ihr mit dem Pegel hoch geht. Manche Preamps zerren das Signal schon etwas an, oder beginnen hörbar zu rauschen, bevor ihr in der Software z.B. -6 dBFS erreicht. Dann geht mit dem Pegel lieber ein Stück zurück, solange ihr diese Effekte nicht wollt. Wenn ihr, wie im vorherigen Teil beschrieben, mit 24 Bit aufnehmt, könnt ihr auch sehr sehr geringe Pegel aufzeichnen, die nachträglich in der Software lauter gemacht werden können, ohne, dass es unangenehm rauscht, oder die Qualität leidet. Es ist besser etwas zu leise, als zu laut aufzunehmen. Wenn ihr schon bei der Aufnahme EQs, Kompressoren, etc. verwenden wollt, könnt ihr das natürlich gerne tun. Seid euch aber auch dabei bewusst, dass ihr wissen solltet, was ihr tut, weil man diese Entscheidungen später nicht rückgängig machen kann. Dazu muss ich sagen, dass ich ein großer Fan davon bin, Entscheidungen möglichst früh zu treffen und mutig und kreativ zu sein. Es ist euer Sound und es sind eure Songs. Nicht die des Mixing Engineers. Ihr trefft die großen, künstlerischen Entscheidungen, nicht er. Deswegen will ich auch definitiv niemanden davon abbringen, sich festzulegen und bei der Aufnahme etwas zu riskieren. Nur des Risikos bewusst solltet ihr euch sein. Passen alle Pegel, stimmt der Sound, sind alle happy damit, wie es klingt? Dann gebt Gas und produziert, was das Zeug hält! Lasst euch ab jetzt nicht mehr von technischen Dingen aufhalten und lasst der Kreativität freien Lauf! Let it flow…

Und denkt dran: Nicht immer ist das technisch Richtige die beste künstlerische Entscheidung! Oft sind es bewusst oder unbewusst gemachte “Fehler”, die zu einem besonderen Klangcharakter führen und eine Produktion einzigartig machen. Wenn es gut klingt, ist es gut!

Dieser dritte Teil unserer Serie sollte euch einen guten Ausgangspunkt für eure DIY-Aufnahmen liefern und euch Anhaltspunkte geben, die euch schnell zum Ergebnis führen und euch sicher und selbstbewusst Entscheidungen treffen lassen.

Viel Spaß beim Lernen, Aufbauen, Experimentieren und Ausprobieren!

Wenn ihr Fragen zu diesem Artikel habt, mir Feedback geben wollt, oder mir das Ergebnis eurer DIY-Recordings zeigen wollt, dann schreibt mir jederzeit eine e-Mail an benedikt@outback-recordings.com. Ich lese und beantworte alles!

Danke fürs Lesen und wenn euch das geholfen hat, checkt auf alle Fälle auch meine anderen Blog Posts, Guides, sowie meinen YouTube Kanal. Auf Facebook und Instagram könnt ihr mich und weiteren Content selbstverständlich ebenfalls finden.

Habt einen schönen Tag!

Benedikt Hain | Outback Recordings

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